Der Vorhof zum Paradies, mit Endorphin-Rausch Garantie: Ogasawara

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Anijima Marine Park 兄島海域公園

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Gelber Segelflossendoktor, Miyanohama キロハギ、宮之浜

七月、私たちは小笠原に行きました。船で24時間かかるけど、自然がすばらしいし、面白い生き物がいっぱいし、毎日感動したので、忘れられない旅行になりました。2000枚以上の写真を撮ったので、ビデオはけっこう長くなりました。ビデオを二つの部分で分かれています(前半は27分、後半は34分)。

日本語のバージョン、前半はこちら:

小笠原のビデオ、前半

後半はこちら

小笠原のビデオ、後半

Vokabeln lernt man ja am besten durch Wiederholungen. Deshalb hat Herr Ko jetzt eine neue Vokabel in seinem deutschen Wortschatz, die er in der vergangenen Woche rund um die Uhr von mir gehört hat:

abgefahren.

Wir waren in Ogasawara, oder besser gesagt auf Chichijima (sprich: Tschitschi jima (das „ji“stimmhaft wie den engl. Buchstaben „G“)). Chichijima ist eine kleine Insel, die zur Ogasawara Inselgruppe zählt. Die liegt 1000 km südlich von Tokio und ist nur mit dem Schiff zu erreichen. Man ist satte 25 Stunden unterwegs, aber es lohnt sich.

Die Unterwasserwelt: abgefahren

Die Natur: abgefahren

Die Delfine: abgefahren

Die Pottwale: abgefahren

Die tropischen Fische: abgefahren

Die Meeresschildkröten: abgefahren

Die…

Ok, ok, ich hör schon auf.

Ich habe ja schon ein paar Reisen in Japan gemacht, aber Ogasawara ist was ganz Besonderes…vielleicht, weil Chichijima so extrem klein ist (irgendwie 8 km von Nord nach Süd) und so extrem wenig Leute dort leben (ca. 2000). Die Fähre kommt auch nur zweimal pro Woche, so ist die Zahl der Touristen überschaubar. Es ist alles irgendwie familiär.

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Minamijima

Es gibt viel unberührte Natur, nicht umsonst wurde Ogasawara 2011 zum Weltnaturerbe erklärt. Egal, wo man ins Meer springt, es gibt an jeder Ecke etwas, bei dem einem die Spucke wegbleibt. Für jemanden, der Tierdokus im Fernsehen so verschlingt wie ich, sowieso. Im Fernsehen 1000 Mal gesehen, wie Delfine auf der Bugwelle eines Schiffes reiten – plötzlich sieht man das direkt vor der eigenen Nase. Man bräuchte nur den Arm ausstrecken, um einen Delfin zu berühren (das ist aber ein No-Go).

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Delfine surfen auf der Bugwelle

In vielen Fernsehdokus schon oft Meeresschildkröten bei der Eiablage gesehen – plötzlich robbt so ein Riesentier direkt vor einem den Strand hoch. Es reihte sich ein beeindruckendes Erlebnis an das nächste.

Deshalb habe ich über 2000 Fotos auf meinen SD-Karten. Junge, junge, ich bin froh, dass es die Möglichkeit mit dem Video gibt, sonst wäre mein Platz bei WordPress spätestens jetzt gesprengt….

Ich habe versucht, nur die schönsten auszuwählen und mich ganz kurz zu fassen. Und obwohl ich vieles aussortiert und nicht erwähnt habe, ist doch ein gut einstündiges Video dabei rausgekommen. Man braucht also leider Sitzfleisch..argh.

Das Video ist unterteilt in zwei Teile, eins ca. 29 min, das andere ca. 34 min. Die Dateigröße ist ziemlich heftig. Ich hoffe, es läuft ruckelfrei.

Wenn ihr mal viiieeel Zeit übrig habt, dann schaut euch die Videos an, es sind wirklich schöne Schnappschüsse dabei, tolle Natur und hoffentlich viele interessante Infos (hoffentlich nicht zu viel Blabla.) Apropos Blabla, ich halte jetzt die Klappe.

Hier geht’s zumTeil Eins:

Ogasawara Teil 1

 

Und hier Teil Zwei:

https://photos.app.goo.gl/qdj4axj9KoJqWd4W8

 

 

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Blumen gehen immer

Ich werde oft gefragt, welche Blumen wann Saison haben in Deutschland. Ich muss zugeben,  dass ich dann immer erstmal etwas doof aus der Wäsche schaue. Ich weiß, dass Schneeglöckchen und Krokusse so ziemlich die ersten sind, Narzissen so um Ostern blühen und Sonnenblumen im Sommer. Aber so eine richtige Reihenfolge oder DIE EINE Saisonblume gibt es nicht so richtig, oder?

Das ist in Japan irgendwie anders. Hier kann irgendwie jeder für jede Saison eine bestimmte Blume nennen. Im Februar wären das die Pflaumenblüten (Ume), danach kommen die Kirschblüten (Sakura), dann der Blauregen (Fuji) und die Azaleen (Tsuzuji), im Juni dann die Hortensien (Ajisai) und Iris (Shoubu), im Sommer die Sonnenblumen (Himawari), im September die Spinnenlilien (Higanbana). Jede Saison wird regelrecht mit Events gefeiert, die Leute pilgern dann zu Tausenden in die Parks und Tempel, um kunstvoll angepflanzte Kirschblüten, Hortensien oder Blauregen zu bewundern. Früher habe ich mich zugegebenermaßen nicht so für Blumen interessiert, aber mittlerweile genieße ich das genauso wie die meisten Japaner und Japanerinnen.

Gestartet sind wir dieses Jahr natürlich mit der Kirschblüte.

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Fuji mit Kirschblüten. Fujireien, April 2018

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Fujireien, April 2018. Links und rechts der Kirschbaumallee die Gräber des Friedhofs

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Fujireien, April 2018

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Chidoriga Fuchi. Tokio, März 2018

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Chidoriga Fuchi. Tokio, März 2018

Im April war ich im Showa Kinen Park, um mir eine Tulpenschau anzusehen.

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Azaleen. Showa Kinen Park, April 2018

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Pfingstrosen. Showa Kinen Park, April 2018

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Liebeshainblume. Showa Kinen Park, April 2018

Anfang Juni waren Herr Ko und ich in Kamakura, das liegt südlich von Tokio, um den Tenen Wanderweg zu gehen und Hortensien zu bewundern.

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Yamayuri (Goldbandlilie) auf dem Wanderweg. Das ist die Präfekturblume der Präfektur Kanagawa, in der Kamakura liegt. Kamakura, Juni 2018

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Ein Eichhörnchen von hinten. Nicht einheimisch, sondern ein Zuwanderer aus Taiwan. Kamakura, Juni 2018

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Kamakura vom Wanderweg aus gesehen.

Hortensien im Meigetsuin Tempel in Kamakura:

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Prachtexemplar von Hortensie am Wegesrand. Tokio, Juni 2018

Aber auch der kleine Park am See, einen Steinwurf von unserem Haus entfernt, hat wunderschöne Hortensien zu bieten.

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Senzokuike, Tokio, Juni 2018

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Iris. Senzokuike, Tokio, Juni 2018

Treppensteigen für Fortgeschrittene

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Blick vom Gipfel des Oyama

Zugegeben, wenn man auf einen Berg steigen will, muss man halt Höhenenergie aufbringen, sonst wäre irgendetwas ein bisschen komisch. Außerdem war das Ziel der Aktion ja nun, etwas Bewegung an der frischen Luft zu bekommen. Aber diese Treppen…

Davon gibt es am Oyama, dem Hausberg der Präfektur Kanagawa, nämlich ziemlich viele. Irgendwann protestieren dann doch die Knie. Davon abgesehen war unsere kleine Bergwanderung am Samstag aber sehr schön, das Wetter war toll und am Ende konnten Herr Ko und ich eine tolle Aussicht vom 1250 m hohen Gipfel genießen.

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Noch sind einige Ahornbäume leuchtend rot.

Der Oyama ist ein beliebtes Ziel für Pilger. Es gibt einen buddhistischen Tempel und einen Shinto-Schrein (den unteren Afuri-Schrein und den oberen auf dem Gipfel).

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Der untere Afuri-Schrein auf 700 m

Wir sind richtig ins Schwitzen gekommen, obwohl wir oft langsam gehen mussten, weil ziemlich viele Wanderer unterwegs waren. Wandern ist halt so etwas wie der Amateur-Nationalsport in Japan. Nach knapp 5 Stunden, 15 000 Schritten und 493 verbrannten Kalorien waren wir, kaputt aber glücklich, wieder zurück.

Für alle, die ein bisschen mehr vom Oyama sehen möchten, gibt es hier mal wieder ein kleines Video (knapp 6 Minuten lang):

Auf den Oyama, 2.12.17

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Rechts kann man sich in ein paar kleinen Restaurants für den Aufstieg stärken oder beim Abstieg die Speicher wieder aufladen.

Hilfe, ich laufe Marathon!

Nein, ein ganzer Marathon war es natürlich nicht, aber die Veranstaltung hieß Kawasaki International Tamagawa Marathon. Da gab es drei verschiedene Strecken zur Auswahl: Den Halbmarathon, die 10 km und die 3 km. Nein, am Halbmarathon hab ich auch nicht teilgenommen, wir wollen’s ja mal nicht übertreiben. Ich hab mich an die 10 km Distanz getraut. Wenn mir das jemand vor einem Jahr gesagt hätte, Ha Ha Ha! Ich Couch-Potato!

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Dafür hab ich 10 Wochen trainiert, bin 3 bis 4 Mal pro Woche joggen gegangen und hab etwas Krafttraining gemacht. Anfangs hab ich nicht mal 1 km durchgehalten (zur meiner Verteidigung kann man sagen, dass es im September noch hässlich warm ist…) Aber auch gegen Ende der 10 Wochen, obwohl ich schon 3 oder 4 Mal die 10 km Distanz schaffte, musste ich oft genug bei Kilometer 6 oder 8 abbrechen, weil ich nicht mehr konnte, naja, Couch-Potato eben. Entsprechend war Ziel Nr. 1: irgendwie ohne Gehpause durchhalten, und Ziel Nr. 2: unter 1 h 15 min bleiben.

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Der Halbmarathon startete um 9:30 Uhr, die 10 km um 9:45 Uhr.

Das Wetter war super, die Temperatur lag bei 12 Grad, mit einem kalten Wind. Herr Ko hat mich freundlicherweise mit dem Auto hingefahren und war Fotograf und moralische Unterstützung.

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Der elektronische Chip für die Zeitmessung, den man am Schuh befestigt. Run For The Future ist zwar etwas pathetisch, aber trotzdem ein schönes Motto.

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Vor dem Start: Bereit zum Kampf!

Ich hab mich am Start fast ganz hinten aufgestellt, weil meine Taktik war, ganz langsam anzufangen und nach und nach schneller zu werden.

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Schultern locker machen

Insgesamt lag die Teilnehmerzahl bei mehr als 7500 Läufern, beim 10 km Lauf waren es 2409 Läufer. Der älteste Teilnehmer war sage und schreibe 80 Jahre alt (Beim Halbmarathon lief sogar ein 79jähriger mit!) Ansonsten war das Feld bei den 10 km bunt gemischt.

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Der Startschuss ist gefallen, es geht erst mal gaaanz gemächlich los

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Ganz hinten war die Stimmung total relaxed, viele haben nebenher ein Schwätzchen gehalten oder Fotos gemacht.

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Ab Kilometer 3 hab ich dann angefangen zu überholen, ab Kilometer 4 hatte ich Seitenstechen. Aber dann ist vor mir die 80jährige Teilnehmerin aufgetaucht, und ich dachte: „Du kannst jetzt nicht ernsthaft langsamer als die Oma sein!!“ Also Zähne zusammenbeißen und weiter durch das Feld pflügen, hier von Herrn Ko auf Video festgehalten:

Obake schnauft den Berg hinauf

Bei Kilometer 6 – noch 4 Kilometer übrig!

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Tamagawa marathon

Kilometer 4: Schwach anfangen und stark nachlassen! Äh, stark anfangen und schwach nachlassen!

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Wenn man noch das Victoryzeichen machen kann, läuft’s noch…

Der letzte Kilometer war echt ein Kampf, aber ich hab es geschafft! Das Ergebnis ist zwar eher so lala: 1h 8min 32sek (hatte im Training schon mal 1h 2 min geschafft), in der Gruppe der 36 – 49 jährigen Frauen war ich die 236ste von 338, bei allen Frauen insgesamt die 499ste von 750 Teilnehmerinnen – aber hey, ich hab es geschafft!! Tschakka!

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Die Teilnehmerurkunde

Und es hat sogar Spaß gemacht! Das Einlaufen ins Stadion, und dabei noch ein paar Konkurrenten überholen, war echt genial, muahahaha!

Verflixt, jetzt ist das, worauf ich 10 Wochen hingearbeitet habe, vorbei! Was jetzt?? Das mehrmalige Laufen pro Woche hat mir so gut getan, ich konnte besser schlafen, hatte mehr Energie im Alltag und fast keine Fettpolster mehr an Hintern und Oberschenkel (1 Hosengröße weniger), dass ich das Training auf jeden Fall weitermache! Vielleicht schaffe ich die 10 km ja irgendwann mal unter 60 min, und wart mal! Ist hier irgendwo nicht noch ein Rennen nächstes Jahr im März??

Run For The Future

Muahahahahaa…

Wenn Götter spazierengehen…

Heute habe ich mich entgegen meiner sonstigen Gewohnheit ganz in Weiß gewandet und traditionelle Zehenschuhe, sogenannte Tabi, angezogen:

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Denn Herr Ko und ich haben an einem Matsuri, einem japanischen Fest, bei uns im Ort teilgenommen, bei dem ein Omikoshi (eine Göttersänfte) durch die Straße getragen wird.

Herr Ko sagte, es ist Pflicht dabei komplett weiß gekleidet zu sein, allerdings hatten einige Teilnehmer auch bunte oder dunkelblaue Hosen an…

Aber alle wurden mit einer speziellen Jacke ausgestattet:

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Die Jacke hat mir ganz gut gefallen, leider war sie nur eine Leihgabe…

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Jeder bekommt auch noch ein Schweißtuch, und das ist auch bitter nötig, denn man kommt so richtig ins Schwitzen!

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Herr Ko und ein guter Freund von uns. Die jungen, kräftigen Männer wurden dringend gebraucht…

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Das Omikoshi, leider teilweise abgedeckt zum Schutz vor dem Regen. Am Anfang dachte ich: Ach, ist ja nur so klein, kann ja nicht so schwer sein. Von wegen!

Das ( oder der? oder die?) OMikoshi ist eine tragbare Göttersänfte, in der die Gottheit (im Shintoismus gibt es ja sehr viele Götter) in einem sogenannten Shintai reist, der sich innerhalb der Sänfte befindet.

Ist doch auch langweilig, immer nur im Schrein herumzuhocken, da muss man ab und zu auch mal rauskommen und die Nachbarschaft abchecken. Und damit Kami-sama (so die allgemeine Bezeichnung in Japan für einen Gott) das kann, müssen die Menschen schuften.

Das Omikoshi ist nämlich richtig, richtig schwer.

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Also alle Mann und Frau ran und die Holzbalken geschultert. So geht man ganz langsam eine festgelegte Route durch die Straßen ab, vorne und hinten wird der Verkehr durch Polizeibeamte gestoppt. Dabei wird laute, traditionelle Musik gespielt und alle Träger wippen beim Gehen rhythmisch rauf und runter und feuern sich gegenseitig aus voller Kehle mit lauten, rhythmischen Rufen an.

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Ich habe mein Bestes für Kami-sama gegeben!

Den Rhythmus zu halten ist ziemlich wichtig, denn wehe, man kommt aus dem Takt, also wippt nach oben wenn alle andern nach unten gehen: dann kracht der Holzbalken mit voller Wucht auf die Schulter, und die sieht danach so aus:

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Ich schätze, meine Schultern werden schön bunt werden in den nächsten Tagen…

Einerseits Schwerstarbeit, andererseits ein großer Spaß – zusammen mit den anderen durch die Straße ziehen, sich gegenseitig anfeuern, die Passanten, die einem zusehen oder Leute, die aus ihren Häusern rauskommen und im Rhythmus mitklatschen.

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Hin und wieder gab es eine kleine Pause

Kami-sama, ich hoffe du hattest auch Spaß in deiner kleinen Sänfte, aber bitte, bitte: Bis zum nächsten Jahr ein paar Kilo abspecken!!

Hokkaido, die 2. 北海道、二回目

Ist unsere erste Hokkaido Reise wirklich schon drei Jahre her? Kaum zu glauben.

Eigentlich hatten wir dieses Jahr auch nicht wirklich geplant, nach Hokkaido zu gehen. Das war eher so spontan. Und während in Tokio bei 36 Grad und irgendwie 100% Luftfeuchtigkeit geschwitzt wurde, konnten wir in Osthokkaido bei angenehmen 22 bis 27 Grad mal durchatmen.

三年前、私たちは初めて北海道に行きました。

実は、今年に北海道へ行くつもりではなかったけど、Herr Ko は六月に北海道を出張したので、私たちは「また、北海道を旅行しよう」と言いました。だから、八月に北海道へ行きました。東北海道は東京よりとても涼しかったです。気持ち ♪ ♪ \(^_^)/

Wir waren nur halb so lange dort wie bei unserer ersten Reise, haben aber doppelt so viele Mandschurenkraninche und Seeadler gesehen. Wer braucht da noch eine Safari in Afrika?

Ich habe zwei SD Karten mit je 8 GB verbraucht und alles zu einem Video von rekordverdächtigen 36 Minuten zusammengeschnitten, aufgeteilt in drei Teile (13,5/ 14,5/ 8 min). Ich hoffe das Video kann vermitteln, warum ich Hokkaido so liebe. Viel Spaß damit!

五泊六日だけ北海道に行ったけど、三年前の旅行より、たくさんのタンチョウやオジロワシを見ました。すごい嬉しかったです ♪

36分のビデオを作った、三つの部分で分かれています(13.5分、14.5分、8分)。

上のリンクにドイツ語のビデオ、下のリンクに日本語のビデオがあります。

Im Osten von Hokkaido – Teil 1 – 3

東北海道、日本語

 

 

 

 

 

 

Jahreswechsel in Japan

Ein frohes, gesundes und glückliches neues Jahr!

Nun schreiben wir also das Jahr 2017. Das Feuerwerk ist verschossen, der Rausch ausgeschlafen, die neuen Kalender aufgehängt und man geht wieder seinen normalen Alltagsgeschäften nach. Aber weil der Jahreswechsel in Japan so ganz anders begangen wird als in Deutschland, gibt es jetzt hier mal einen Beitrag dazu.

Deutschland: Party. Japan: Familie

In Japan feiert man den Jahreswechsel eher mit der Familie, deshalb fahren wir jedes Jahr nach Osaka, Herrn Ko’s Heimat, und belästigen für ein paar Tage die Schwiegermutter.

Am 31. Dezember

Ich will nicht behaupten, dass es gar keine Partys gibt am 31. Dezember in Japan. Wir waren einmal am letzten Tag des Jahres in Tokio statt in Osaka. Abends waren unglaublich viele Menschen unterwegs, kurz vor Mitternacht versammelten sich die Leute am Tempel (oder war es ein Schrein?) nahe des Tokio Towers, wo es dann einen Countdown gab, den alle runterzählten und man wünschte sich dann ein gutes Neues. Aber eine Party mit Musik, Tanz und Alkohol war das nicht, außerdem wird in ganz Japan nicht eine einzige Rakete abgefeuert und kein einziger Böller gezündet. Der Jahreswechsel ist hier eher still und feierlich und man versammelt sich am Tempel und Schrein um zu beten (aber dazu später mehr).

Bei Herrn Ko zuhause sitzen wir meist den Abend zusammen vor dem Fernseher und schauen Waratte wa ikenai (=“Lachen verboten“), ein Comdey-Special jedes Jahr an Silvester, und gehen erst am nächsten Tag zum Schrein oder Tempel.

Pflicht für alle sind aber die Toshikoshi-Sobanudeln, die muss man noch vor Mitternacht essen, für ein langes Leben.

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Toshikoshi-Soba von Schwiegermutter

Am 1. Januar.

Deutschland: Rausch ausschlafen. Japan: Zum Tempel oder Schrein gehen.

Der wichtigere Tag ist eigentlich der 1. Januar. Man beginnt den Tag mit einem „Akemashite omedetou“, der japanischen Version von „Gutes neues Jahr!“ Zum Frühstück gibt es Ozooni, die traditionelle Neujahrs-Suppe. Da Osaka zur Kansai-Region gehört, gibt es bei Schwiegermutter immer die Kansai-Version und am nächsten Tag dann die Kanto-Version (Kanto ist die Region, in der Tokio liegt).

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Kansai-Version von Ozooni, mit Miso, Lachskaviar und Gemüse, schmeckt eher süßlich

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Ozooni in der Kanto-Version, klare Suppe, mit Hühnerfleisch und Kamaboko (eine Art Fischbrät, so wie Leberkäse, nur aus Fischfleisch)

Ozooni sind ziemlich berüchtigt, denn der wichtigste Bestandteil ist der Reiskuchen, oder Omochi. Der ist ziemlich klebrig und schwierig runterzuschlucken, deshalb passiert es jedes Jahr, dass vor allem ältere Leute daran ersticken. Vor jedem Jahreswechsel gibt es an besagte Bevölkerungsgruppe Appelle, ihre Omochi doch besser in ganz kleine Stücke zu schneiden (so wird es im Altenheim bei Schwiegeroma gemacht). Aber es gibt trotzdem jedes Jahr wieder Todesfälle.

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Omochi, sehr lecker, aber besser in kleinen Bissen essen

Damit ist das Frühstück aber noch nicht zu Ende, denn darauf folgt Osechiryouri, das traditionelle Neujahrsgericht an den ersten paar Tagen des neuen Jahrs. Das ist eigentlich ein Sammelsurium aus vielen kleinen Gerichten, so ähnlich wie spanische Tapas. Die werden schon vor Neujahr zubereitet, damit die Hausfrau in den ersten drei Tagen die Füße hochlegen kann. Das heißt, man isst morgens, mittags und abends vom Osechiryouri, es wird nix großartig gekocht.

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Osechiryouri wird in speziellen Boxen (Juubako) aufbewahrt, die sich aufeinanderstapeln lassen. Diese Juubako von Schwiegermutter sind schon seit 45 Jahren im Einsatz.

Jedes Gericht hat eine bestimmte Bedeutung. Es gibt auch regionale Varianten, daher ist das Osechi in jedem Haushalt etwas verschieden. Aber werfen wir doch mal einen Blick in Schwiegermutters Osechi.

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Gomame (oder Tatsukuri): Junge, getrocknete Sardinen. Ein Symbol für eine reiche Ernte im neuen Jahr.

Kuromame: Schwarze Sojabohnen. Ein Symbol für den Wunsch nach Gesundheit, um im neuen Jahr hart arbeiten zu können.

Kamaboko: Das hatten wir schon in der Suppe. Meist wird pinke und weiße Farbe abwechselnd geschichtet. Pink bzw. Rot soll vor bösen Geistern schützen.

Datemaki: Das ist sowas wie ein eingerolltes Omlette, ebenfalls süß im Geschmack. Es erinnert optisch an wichtige Dokumente oder Bilder, die früher immer eingerollt wurden. Deshalb repräsentiert Datemaki den Wunsch nach Bildung und Kultur.

Kurikinton: Das ist Kartoffelbrei aus Süßkartoffeln gemischt mit Esskastanien. Die gelbe Farbe erinnert an Gold, daher repräsentiert dieses Gericht den Wunsch nach Reichtum.

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Namasu: Süß-sauer eingelegter Rettich und Möhren. Das Orange der Möhren und das Weiß des Rettichs bilden eine festliche Kombination

Mikankanten: Das ist wie Götterspeise, aber mit pflanzlichem Geliermittel

Nishikimaki: Wieder so ähnlich wie Omlette, dieses Mal werden Eiweiß und Eigelb aber getrennt und dann eingerollt

Kazunoko: das sind die Eier vom Hering, das symbolisiert den Wunsch nach Fruchtbarkeit

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Buri: gegrillte Gelbschwanzmakrele, wird auch shusse-uo genannt, was soviel wie „Fisch, der Karriere macht“ bedeutet. Das kommt daher, dass der Fisch je nach Körpergröße andere Namen erhält. In Tokio sind das Wakashi (<35cm) -> Inada (35-60cm) -> Warasa (60-80cm) -> Buri (>80cm). Daher symbolisiert Buri im Osechi den Wunsch nach Beförderung.

Chikuzenni: gekochtes Gemüse und Konnyaku, eigentlich noch mit Hühnerfleisch, das hat Schwiegermutter aber dieses Jahr separat gekocht.

Gegessen wird nicht mit normalen Essstäbchen, sondern mit der speziellen Neujahrsversion.

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Die Essstäbchen haben auf beiden Seiten abgerundete Ecken, mit der einen Seite isst du, mit der anderen die Götter. Die Stäbchen stecken in einem Papierumschlag, auf den Schwiegermutter unsere Namen schreibt.

Nach dem Frühstück sind wir dann zum Mozuhachimangu-Schrein in Osaka (Sakai-shi) marschiert, der liegt ungefähr 30 Minuten zu Fuß von Schwiegermutters Wohnung entfernt.

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Der Mozuhachimangu-Schrein. Die Leute stellen sich an, um den Gott des Schreins bspw. um ein gutes Jahr zu bitten. Herrn Ko und Schwiegermutter sieht man auch auf dem Foto, wer kann sie finden?

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„Mozu“ ist das japanische Wort für Büffelkopfwürger, ein kleiner Singvogel, der in Teilen Ostasiens vorkommt. Der Büffelkopfwürger ist das Symbol des Schreins

Den ersten Besuch des Jahres beim Schrein oder Tempel  nennt man Hatsumode. Schreine sind die heiligen Stätten des Shintoismus, Tempel gehören zum Buddhismus, es spielt aber wohl keine so wichtige Rolle, ob man für Hatsumode zum Tempel oder Schrein geht. Wir hatten es zuerst bei einem Tempel versucht, aber wegen Überfüllung aufgegeben. Sehr bekannte Schreine und Tempel sind hoffnungslos überlaufen an den ersten Tagen im neuen Jahr. Der Kawasaki-Daishi oder der Meiji Schrein in Tokio etwa verzeichnen in dieser Zeit rund 3 Millionen Besucher. Man betet wie folgt: zwei mal in die Hände klatschen, eine Münze (z.B. 10 Yen) in den dafür vorgesehenen Kasten werfen, wieder zwei mal in die Hände klatschen…oder zuerst die Münze werfen? Und irgendwo zwischendrin verbeugen…jetzt hab ich’s vergessen, verflixt.

Naja, in Schreinen klatscht man jedenfalls in die Hände und/oder läutet eine Glocke, damit der Gott auf einen aufmerksam wird, und dann betet man. In buddhistischen Tempeln klatscht man eben nicht in die Hände, sondern betet still. Das machen viele Touristen oft falsch. Ich glaube, in Schreinen habe ich auch noch nie Räucherstäbchen gesehen, sondern nur in den Tempeln.

Nachdem wir also für ein gutes 2017 gebetet haben, habe ich mir ein Omamori gekauft (obwohl ich eigentlich überzeugter Atheist bin). Omamori sind kleine Glücksbringer, oft für verschiedene Anlässe wie z.B. Gesundheit, Erfolg in der Schule oder Arbeit, sichere Geburt, usw. Es gibt auch allgemeine Omamori. Man kann sie aber auch das ganze Jahr über im Tempel oder Schrein bekommen.

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Verschiedene Omamori für verschiedene Anlässe

Ich habe mir ein Omamori speziell für die Gesundheit zugelegt. Das macht man sich dann an die Tasche oder in die Tasche, trägt es jedenfalls bei sich bis zum nächsten Jahr, wo man es dann wieder beim Schrein abgeben kann, dort wird es dann verbrannt, es hat seinen Dienst sozusagen getan. Das Omamori wird vor dem Verkauf von den Priestern geweiht, und dem Glauben nach ist ein Teil des Gottes da drin. Herr Ko hat mich geradezu beschworen, das Omamori niemals zu öffnen, sonst folgt die Strafe des Gottes auf dem Fuß. Er hat als Kind einmal ein Omamori geöffnet, er spricht daher aus Erfahrung ^_^

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Mein Omamori, speziell zum Schutze der Gesundheit…hoffentlich hilft es…

Eine beliebte Neujahrstradition ist außerdem das Ziehen von Omikuji, kleinen Vorhersagen für das neue Jahr (so ähnlich wie Horoskope). Gegen einen Betrag von 100 Yen (70 Cent) schüttelt man aus einer Holzkiste eines von vielen Stäbchen raus. Auf dem Stäbchen ist dann eine Nummer, die dann einem Horoskop zugeordnet ist. Es gibt drei Arten von Horoskopen: Das große Glück, das normale Glück und das kleine Glück (das will natürlich niemand).

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Omikuji. Hinten links schüttelt gerade jemand das Holzkästchen. Hinter dem Tresen warten die Miko, das sind meist junge Frauen, die als eine Art Priesterinnen in Schreinen arbeiten, also rituelle und praktische Tätigkeiten absolvieren, wie z.B. Omamori oder Omikuji unter die Leute zu bringen.

Herr Ko hat das große Glück für 2017 gezogen, ich hingegen nur das normale, verflixt!! Ich habe gefragt, aber so oft Stäbchen rausschütteln, bis man das große Glück bekommt, gilt nicht…schade…

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Mein Omikuji. Da steht dann z.B. Wo auch immer ich unterwegs bin, im Straßenverkehr bin ich sicher (oder so…frei übersetzt ^_^°)

Viele Leute binden ihre Omikuji (vor allem die mit kleinem Glück, aber nicht nur) an bestimmten Vorrichtungen (Mikujikake) im Schrein fest, nehmen sie also gar nicht mit nach Hause.

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festgebundene Omikuji vor dem 800 Jahre alten Kampferbaum im Schrein

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2017 schreiben wir das Jahr des Hahns, unschwer zu erkennen an der Dekoration im Schrein

Es gibt noch eine ganze Reihe anderer Neujahrstraditionen, aber das ist eben das, was wir dieses Jahr gemacht haben. Na dann, hoffen wir, dass wir gut gerüstet sind für 2017!

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